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  • AutorenbildMr. Nice Watch

Neuinterpretation des Genta-Designs: die IWC Ingenieur Automatic 40

IWC Schaffhausen präsentiert auf der Watches & Wonders eine Neuinterpretation der Ingenieur SL 1832 und lässt damit das legendäre Design von Gérald Genta wieder aufleben.


Nur wenige Uhren wurden in den letzten Jahren so sehnsüchtig erwartet wie eine Neuauflage der Ingenieur SL 1832 im berühmten Genta-Design. Allein schon der Name »Gérald Genta« übt auf Uhrenliebhaber und -Sammler eine tiefe Faszination aus und steht nahezu sinnbildlich für gelungenes Uhrendesign. Die Nachfrage nach Stahlsportuhren mit integrierten Metallbändern im »Genta-Look« war in den letzten 5-6 Jahren so hoch, dass zahlreiche Hersteller ihre eigenen Interpretationen dieses Stils präsentierten. Doch nur die wenigsten konnten sich damit brüsten, dass die eigenen Kreationen wirklich auf Designentwürfe des im Jahr 2011 verstorbenen Schweizer Uhrendesigners zurückzugehen. Eine Marke, die hingegen echte Genta-DNA in den eigenen Archiven vorweisen kann und dennoch mit einer entsprechenden Neuauflage auf sich warten ließ, ist IWC. Nun hat das Warten ein Ende, denn IWC präsentiert anlässlich der Watches & Wonders 2023 eine moderne Interpretation der Ingenieur SL aus 1976.


Die Geschichte der Ingenieur SL »Jumbo« Referenz 1832 aus 1976


Die erste Ingenieur mit der Referenz 666 kam 1955 auf den Markt. Sie wurde konzipiert als Uhr für Berufsgruppen, die in ihrem Arbeitsalltag starken Magnetfeldern ausgesetzt werden, wie etwa Piloten, Ärzte, Physiker oder die namensgebenden Ingenieure. Das Ergebnis war eine mittelgroße Uhr in einem runden Gehäuse, die vor allem durch ihre Präzision, ihre robusten Eigenschaften und eine hohe Magnetfeldresistenz bestach. Ihre Nachfolgerin kam 12 Jahre später auf den Markt. Wenngleich äußerlich leicht modernisiert, wirkte sie nach wie vor eher schlicht und unauffällig. Doch Ende der 1960er-Jahre entwickelte sich eine neue Formensprache und so beschloss das Management von IWC ein massives und eher technisch-anmutendes Ingenieur Modell in Edelstahl auf den Markt zu bringen. Das Projekt wurde offiziell am 1. August 1969 gestartet und die ersten Prototypen wurden 1970 und 1971 getestet. Diese überzeugen jedoch nicht und scheiterten an den strengen Anforderungen von IWC.


Auf der Suche nach einem freiberuflichen Designer kontaktierte IWC Gérald Genta. Bereits 1967 hatte er für IWC einen Edelstahl-Chronographen entworfen, der jedoch nie in Serienproduktion ging. Genta, zu der Zeit auf dem Höhepunkt seines Schaffens, nahm die Aufgabe an und machte sich an die Entwicklung einer neuen Ingenieur. Der finale Entwurf, den er 1974 präsentierte, zeigte eine sportlich-markante Uhr mit integriertem Armband, einem strukturierten Zifferblatt und einer verschraubten Lünette. Der Entwurf kam bei IWC gut an und ging in die Umsetzung. Die Ingenieur mit der Referenz 1832 sollte das Aushängeschild der neuen SL-Kollektion werden, einer Reihe von hochwertigen, aus Edelstahl gefertigten Uhren. Als die neue Ingenieur 1976 auf den Markt kam, war sie mit einem Durchmesser von 40 mm für damalige Verhältnisse übergroß, weshalb sie schnell den Spitznamen »Jumbo« bekam.


Die Ingenieur SL 1832 war robust konzipiert. Ihr Uhrwerk war gegen Schläge und Stöße geschützt und mithilfe eines Weicheisenkerns konnte sie Magnetfeldern von bis zu 80.000 A/m widerstehen. Ihr Listenpreis im Jahr 1976 betrug stolze 2.000 Franken, was hoch angesetzt war für damalige Verhältnisse. Trotz ihrer starken Designsprache wurde die Ingenieur SL kein kommerzieller Erfolg. Zwischen 1976 und 1983 wurden nur etwas mehr als 1.000 Uhren verkauft und es dauerte bis in die 1990er-Jahre, bis die ersten Sammler auf das Modell aufmerksam wurden. Heutzutage gilt die ursprüngliche Ingenieur SL »Jumbo« als eines der gefragtesten Modelle der IWC-Geschichte. Rund 47 Jahre nach ihrer Vorstellung lässt IWC nun das Genta-Design in einer modernen Form wieder aufleben.


Die neue IWC Ingenieur Automatic 40
Moderne Neuinterpretation des klassischen Gérald Genta Designs: Die neue IWC Ingenieur Automatic 40

Die Fakten


Rein äußerlich ähnelt die neue IWC Ingenieur Automatic 40 dem Original aus 1976. Sie wurde jedoch von Grund auf neu entwickelt und ist daher vielmehr eine moderne Interpretation des Ursprungsmodells als eine Neuauflage. IWC ist besonders stolz darauf, dass das 40 mm Edelstahlgehäuse sorgfältig überarbeitet wurde, um moderne Proportionen, perfekte Ergonomie und einen hohen Tragekomfort zu bieten. Einen Unterschied zur Ingenieur SL »Jumbo« 1832 bildet dabei vor allem die Form des Bandanstoßes. Während das Ursprungsmodell über einen nasenförmigen Anstoß verfügte, an dem das integrierte Band befestigt war, kommen bei der neuen Ingenieur Mittelglieder zum Einsatz, die die Länge des Gehäuses reduzieren. Das Ergebnis ist ein vergleichsweise kleiner Horn-zu-Horn-Abstand (Lug-to-Lug) von nur 45,7 mm. In Kombination mit der flachen Gehäusehöhe von lediglich 10,8 mm soll die neue Ingenieur Automatic 40 vor auch an schmalen Handgelenken angenehm tragbar sein. Die leichte Wölbung des Gehäuses erhöht zusätzlich den Tragekomfort.


Ausgewogene Proportionen der IWC Ingenieur Automatic 40
Eine flache Bauweise und ausgewogene Proportionen sollen die Ingenieur Automatic 40 auch an schmalen Handgelenken gut tragbar machen.

Weitere offensichtliche Neuerungen sind zudem der Kronenschutz sowie die neue Lünettenkonstruktion. Beim Original wurde die Lünette als Ganzes mit dem Gehäusering verschraubt. Die Lünette verfügte dazu über fünf runde Vertiefungen, in die das jeweilige Werkzeug eingesetzt wurde. Die Position dieser Vertiefungen war jedoch nach dem Verschrauben immer willkürlich - seit jeher ein Kritikpunkt unter Uhrenliebhabern. Bei der neuen Ingenieur wird die Lünette mit fünf Schrauben auf dem Gehäusering fixiert. Die Position der Schrauben ist somit immer gleichmäßig und die Lünette behält dennoch ihre Funktion.


Ähnlich wie das Original ist auch die neue Ingenieur als robuste Alltagsuhr konzipiert. Noch immer schützt ein Weicheisenkern das Uhrwerk gegen Magnetfelder. Der Gehäuseboden ist dementsprechend geschlossen. Eine verschraubte Aufzugskrone sowie die massive Gehäusekonstruktion sorgen für eine Wasserdichtigkeit von 100 m. Getragen wird die Ingenieur am integrierten Edelstahlband mit einer Doppelfaltschließe.

Edelstahlarmband der neuen IWC Ingenieur Automatic 40
Das integrierte Edelstahlband mit Doppelfaltschließe ist eines der Designmerkmale der neuen IWC Ingenieur 40

Erhältlich ist die Ingenieur 40 Automatic in drei Zifferblattfarben: Schwarz, Silber und Aqua. Letztere Farbe ist eine Kombination aus Grün und Blau. Je Nach Zifferblattfarbe unterscheidet sich die Optik des Edelstahlbandes: während bei der silbernen und schwarzen Ingenieur die Mittelglieder gebürstet sind, verfügt die Variante mit Aqua-Blatt über polierte Mittelglieder. Das Zifferblatt selbst ist mit einer reliefartigen Struktur überzogen, die IWC als »Grid« bezeichnet. Sie ähnelt derer auf den Blättern der Referenz 1832. Die applizierten Indizes sind ebenso wie die Zeiger mit Leuchtmasse beschichtet, um eine gute Ablesbarkeit in schlechten Lichtverhältnissen zu gewährleisten.


Das Zifferblatt der neuen IWC Ingenieur Automatic 40
Das Zifferblatt mit dem »Grid-Muster« ist dem Blatt der Ingenieur SL 1832 nachempfunden.

Im Inneren der Ingenieur Automatic 40 tickt das Kaliber 32111 mit einer Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Die Gangreserve beträgt dabei etwa 72 Stunden. Das Uhrwerk selbst stammt von dem konzerneigenen Werkefabrikanten ValFleurier und wird unter anderem bereits bei der IWC Mark XX eingesetzt.

Die neue IWC Ingenieur Automatic 40 hat einen Listenpreis von 12.700 EUR und ist zunächst nur in ausgewählten IWC-Boutiquen verfügbar.



Das Fazit


Sportuhren mit integrierten Armbändern waren in den letzten Jahren der große Trend in der Uhrenwelt. Umso mehr wurde seit Längerem eine Neuauflage von Gerald Gentas Ingenieur erwartet. Fast hatte man das Eindruck, IWC würde diese Chance verpassen. Umso mehr freut es mich, dass die Marke nun eine würdigen Nachfolger der berühmten Ingenieur SL Jumbo präsentiert. Mit der neuen Ingenieur hat IWC es geschafft, das markante Design behutsam zu modernisieren, ohne ihm seinen Charakter zu nehmen. Durch die vergleichsweise moderate Größe und die stimmigen Proportionen dürfte diese Uhr die Herzen zahlreicher Sammler und Liebhaber höherschlagen lassen. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt jedoch: Da die neue Ingenieur nur in ausgewählten Boutiquen erhältlich ist, wird ihre Verfügbarkeit für die breite Öffentlichkeit vermutlich zu wünschen übrig lassen.




Technische Daten: IWC Ingenieur Automatic 40

Gehäuse

Edelstahlgehäuse; 40 mm Durchmesser; 10,8 mm Höhe; 45,7 mm Horn-zu-Horn-Abstand (Lug-to-Lug); 100 m wasserdicht

Zifferblatt

Erhältlich in Schwarz, Silber oder Aqua; Zeiger und Indizes mit Super-LumiNova-Leuchtmasse; Datum auf 3 Uhr

Uhrwerk

Automatisches Kaliber 32111; 28.800 Halbschwingungen; 72 Stunden Gangreserve

​Armband

Integriertes Edelstahlgehäuse mit Doppelfaltschließe

Referenz

IW328901: (Schwarz)

IW328902 (Silber)

IW328903 (Aqua)

Verfügbarkeit

ab sofort

Preis

12.700 EUR


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