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Zu Besuch bei NOMOS Glashütte

Nur wenige Produkte weltweit müssen so strengen Qualitätskriterien gerecht werden wie eine Uhr, die die Bezeichnung "Made in Glashütte" trägt. Wir waren zu Besuch in der Manufaktur von NOMOS, um zu verstehen, was die Faszination der Glashütter Uhrmacherei ausmacht.


Ein Manufakturbesuch ist immer etwas Besonderes. Auch wenn man bereits einige Uhrenmanufakturen gesehen und verstanden hat, wie heutzutage hochwertige Armbanduhren herstellt werden, so ist doch jedes Mal auf Neue spannend, in die Markenwelten einzutauchen und einen kleinen Blick hinter die Kulissen der Hersteller werfen zu dürfen. Da ich zudem noch nie in Glashütte, dem Herzen der deutschen Uhrmacherei war, freute ich mich umso mehr über die Einladung das NOMOS Forum 2022 besuchen zu dürfen.


NOMOS fertigt an drei Standorten in Glashütte und ist mittlerweile Deutschlands größer Hersteller von mechanischen Armbanduhren.



Über Dresden nach Glashütte


Mein Weg nach Glashütte führt mich zunächst nach Dresden. Die sächsische Landeshauptstadt ist durch ihren Flughafen sowie den Hauptbahnhof der Hauptverkehrsknotenpunkt in der Region. Doch auch ungeachtet der Wahl des jeweiligen Verkehrsmittels ist Dresden immer auch eine Reise wert. Gerade der historische Stadtkern, der seit den 90er-Jahren liebevoll rekonstruiert wurde, ist durchaus sehenswert. Besonders die barocke Architektur von Frauenkirche, Zwinger und Semperoper begeistert Menschen aus aller Welt. Für uns Uhrenliebhaber hat Dresden aber auch einiges zu bieten. Rund um den Neumarkt verteilen sich diverse Juweliergeschäfte, Uhrenhändler und namhafte Markenboutiquen. Mit einem obligatorischen Besuch bei einem NOMOS Konzessionär sowie den Boutiquen von Glashütte Original und A. Lange & Söhne, stimme ich mich schonmal mental auf die weitere Reise nach Glashütte ein.



Dresden ist immer eine Reise wert - vor allem die historische Altstadt mit der weltbekannten Frauenkirche ist sehenswert.


Am Folgetag geht es pünktlich mit dem Shuttle los Richtung Glashütte. Der kleine beschauliche Ort liegt etwa 45 Autominuten von Dresden entfernt am Fuße des Erzgebirges. Sobald man die Stadt verlässt, wird die Natur immer präsenter. Schon bald fährt man vorbei an saftigen Wiesen, dunklen Wäldern und grünen Hügeln. Man wähnt sich in einer anderen Welt und fragt sich: "Hier, irgendwo soll das Herz der deutschen Uhrmacherei liegen mit Marken von Weltruhm?". Kaum zu glauben. Keine Autobahn verbindet Dresden mit Glashütte. Stattdessen schlängelt man sich auf engen Landstraßen über Berge, Täler und durch kleine Dörfer. Es ist immer wieder faszinierend, dass gerade die Uhrmacherei, die heutzutage mit weltbekannten Luxusmarken assoziiert wird, ihre Ursprünge in Regionen hat, die alles andere als urbane Großmetropolen sind. Ein gelbes Ortsschild mit der Aufschrift "Glashütte - Kreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge" reißt mich aus meinen Gedanken. Wir sind da.


In der Manufaktur


Glashütte ist nicht groß. Rund 6.700 Einwohner leben hier. Viele davon arbeiten bei den 9 ansässigen Uhrenherstellern, viele weitere bei lokalen Zulieferern und Spezialfirmen für die Uhrenindustrie. Fährt man durch Glashütte, sieht man links und rechts Schilder der namhaften Marken. Es ist fast schon skurril, denke ich, ein kleiner Ort, der für diese Industrie lebt. NOMOS hat drei Standorte in Glashütte an denen 180 Mitarbeiter für die Marke arbeiten. Unser erster Weg führt uns in den Ortsteil Schlottwitz, hier sitzt die Fertigung.


NOMOS Glashütte fertigt rund 95 % aller Werkteile komplett in-house in der eigenen Manufaktur.


Seit 1990 fertigt NOMOS Uhren in Glashütte. Mittlerweile ist NOMOS der größte Hersteller von mechanischen Armbanduhren in ganz Deutschland. Die genauen Produktionszahlen sind allerdings geheim. Spannend dabei ist jedoch, dass NOMOS Glashütte ausschließlich eigene Uhrwerke verbaut. In der Produktion sehen wir, wie riesige CNC-Maschinen aus den Rohmaterialien die winzigen Teile herausfräsen, aus denen sich später die Uhrwerke zusammensetzen. Mehr als 160 Komponenten stellt NOMOS selbst her, manche davon so klein wie ein Bruchteil eines menschlichen Haares. Um erforderliche Präzision zu gewährleisten, fertigt NOMOS sogar zahlreiche Werkzeuge selbst. Auch wenn die Produktion der Werkteile heutzutage auf modernsten Maschinen beruht, überrascht mich, wie viel manuelle Interaktion hier trotz allem noch erforderlich ist. An allen Ecken und Enden werden Mitarbeiter benötigt, die die Maschinen entsprechend einstellen oder die Rohteile in mühevoller Handarbeit verfeinern und veredeln. Am Ende unseres Rundgangs durch die Produktion sehen wir noch, wie ein Mitarbeiter ein Sperrad mit dem berühmten Glashütter Sonnenschliff verziert. Echte Handwerkskunst, die langes Training und viel Erfahrung erfordert, um sie meistern.


Trotz hochmoderner Maschinen, erfolgen viele Arbeitsschritte noch immer von Hand, so z.B. das Verzieren des Sperrades mit dem Glashütter Sonnenschliff. Das Ergebnis lässt sich sehen.


Unser Weg durch Glashütte führt uns nun an den nächsten Standort von NOMOS, die Chronometrie am Erbenhang. Hier sitzen rund 90 Uhrmacher und verrichten ihre Arbeit. Nun heißt es leise sein, um die Meister nicht bei ihrer Arbeit zu stören. Seit 2014 stellt NOMOS sogar das Herz einer jeden Uhr, die Hemmung, selbst her. Das sogenannte Assortiment, das NOMOS selbst auch als "NOMOS Swing System" bezeichnet, besteht unter anderem aus Unruh, Spirale, Ankerrad und Anker. In der Chronometrie erleben wir live, wie viel Fingerspitzengefühl notwendig ist, um dieses Assortiment zusammenzusetzen. Jeder Schritt erfolgt dabei in Handarbeit. Nur sehr wenige Mitarbeiter haben das Know-How und die Erfahrung hier Fehler zu erkennen. Die Qualitätskontrolle ist jedoch essenziell, wenn die Uhr später stabil und präzise laufen soll.


Im nächsten Raum können wir nun beobachten, wie Schritt für Schritt die einzelnen Komponenten zu fertigen Uhrwerken zusammengebaut werden - auch das alles in Handarbeit. Magisch ist der Moment, in dem Unruh und Unruhbrücke verklebt werden und kurz darauf das Herz erstmalig zu Schlagen anfängt. Anschließend geht es in die Endmontage, wo die einregulierten Uhrwerke mit Zifferblatt und Zeigern versehen werden und auf ihre Hochzeit warten. So nennt sich das Vereinigen von Uhrwerk und Gehäuse.


Bitte nicht stören: in der Chronometrie setzen die Uhrmacherinnen und Uhrmacher von NOMOS die Uhrwerke zusammen und erwecken die mechanischen Wunderwerke zum Leben.


Made in Glashütte - die Glashütte Verordnung


Es ist schon faszinierend zu sehen, wie aus den Rohstoffen kleine Komponenten gefertigt werden, die sich dann Schritt für Schritt zum finalen Produkt zusammensetzen. Nachdem sie die Endkontrolle durchlaufen hat, schnappe ich mir eine Uhr und lege sie an. Es begeistert mich immer wieder, wie viel Aufwand und Liebe fürs Detail in so einem kleinen Objekt steckt. Doch genau das macht die Glashütter Uhrmacherei aus.


Nur wenige Produkte weltweit müssen so strengen Qualitätskriterien gerecht werden wie eine Uhr, die die Bezeichnung "Made in Glashütte" trägt. Seit Inkrafttreten der Glashütte Verordnung im Frühjahr 2022 ist die Herkunftsangabe geschützt und darf nur dann verwendet werden, wenn der jeweilige Uhrenhersteller strenge Kriterien einhält. So müssen mindestens 50 % der Wertschöpfung am Uhrwerk im geschützten Herkunftsgebiet erfolgen. NOMOS kommt hier sogar auf 95 % Wertschöpfung. Zudem müssen die Montage, die Ingangsetzung sowie die Reglage und das Einschalen der Uhrwerke ebenso vor Ort erfolgen wie der Einbau des Zifferblatts und das Setzen der Zeiger. Das Label "Glashütte" auf einer Uhr ist somit ein Qualitätsmerkmal, das die regionalen Hersteller und die traditionelle Handwerkskunst schützt. Das ist wichtig und sinnvoll.


Der Blick aus dem Manufakturgebäude von NOMOS auf das idyllische Städtchen Glashütte.


Nachdem ich aus dem beschaulichen Glashütte zurück ins hektische Düsseldorf komme, denke ich noch immer an die langen Tische, an denen die NOMOS-Uhrmacher mit ruhiger Hand ihre kleinteilige Arbeit verrichten. Ich erinnere mich an den Blick aus dem Manufakturgebäude auf die bewaldeten Hügel und das idyllische Städtchen mit seinen roten Dächern. Und ich fühle noch immer diese fast schon kindliche Freude darüber, dass sich in unserer schnelllebigen digitalen Zeit nach wie vor Menschen so liebevoll mit traditioneller Uhrmacherei beschäftigen. Und in diesem Moment realisiere ich: Made in Glashütte ist etwas ganz Besonderes.


Als ich nach der Endmontage das fertige Produkt in den Händen halte, kann ich bestätigen: die Mühen in der Produktion haben sich definitiv gelohnt.




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