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  • AutorenbildMr. Nice Watch

Die neue IWC Portofino Perpetual Calendar getestet

Der berühmte ewige Kalender von Kurt Klaus ist nun erstmalig seit den 90ern wieder in der eleganten Portofino-Kollektion erhältlich und lässt die Uhr zur ultimativen Dresswatch werden. Wir haben den „tragbarsten“ ewigen Kalender von IWC getestet.


IWC und die ewigen Kalender - das ist eine Liaison, die auf die frühen 1980er-Jahre zurückgeht. Die 80er waren eine Zeit der Veränderung bei IWC. In der Spätphase der Quarzkrise stellte sich die Manufaktur aus Schaffhausen neu auf, forschte, experimentierte und entwickelte letztlich viele Bausteine, die noch heute das Fundament der Marke ausmachen. Ein bis heute legendärer Uhrmacher trug maßgeblich dazu bei: Sein Name ist Kurt Klaus.


Legendärer Uhrmacher Kurt Klaus
Der legendäre Uhrmacher Kurt Klaus mit der IWC Da Vinci Perpetual Calendar am Handgelenk

Von der Entwicklung des ewigen Kalenders


Kurt Klaus heuerte 1957 bei IWC an und wurde unter anderem von Albert Pellaton ausgebildet, dem Erfinder des bis heute verwendeten Pellaton Klinkenaufzugs. In den frühen 1980er-Jahren, war Kurt Klaus als Chefuhrmacher unter anderem für die Entwicklung neuer Uhrwerke zuständig. So nahm er sich den gregorianischen Kalender vor, um ihn in ein mechanisches Programm für eine Armbanduhr zu übersetzen. Das, was auf den ersten Moment relativ simpel klingt, wird vor allem durch die Unregelmäßigkeiten des Kalenders schnell zur Herausforderung. Unterschiedliche Monatslängen sowie Schaltjahre stellen Uhrmacher hierbei vor große Herausforderungen. Zwar gibt es bereits seit den 1920er-Jahren mechanische Armbanduhren mit ewigen Kalendern, doch waren diese in den frühen 80er-Jahren ausschließlich wenigen Haute-Horlogerie-Manufakturen vorbehalten.


Kurt Klaus schaffte es damals einzig und allein mithilfe von Rechenschieber, Stift und Papier ein Perpetual Calendar Modul komplett von Hand zu entwickeln, das später auf ein Basiswerk aufgesetzt werden konnte. Der Clou dabei: Im Gegensatz zu den anderen ewigen Kalendern am Markt waren die Anzeigen untereinander synchronisiert, sodass die Einstellung des korrekten Datums komplett über die Aufzugskrone erfolgen konnte. So waren keine externen Drücker erforderlich - eine Sensation. Zum Einsatz kam das neue Modul erstmalig Verbindung mit einem Valjoux 7750 Chronographenwerk in der IWC Da Vinci Perpetual Calendar (Referenz: 3750), die 1985 vorgestellt wurde.


Seitdem ist der ewige Kalender als Komplikation bei IWC nicht mehr wegzudenken. Und auch heute noch dient der geniale Mechanismus von Kurt Klaus als Grundlage für IWC Uhren mit der höchsten aller Kalender-Komplikationen - mittlerweile auch mit hauseigenem Manufakturwerk als Basiskaliber. Im vergangenen Jahr hat IWC nun erstmalig seit den 90ern auch die

Portofino-Kollektion wieder mit einem ewigen Kalender ausgestattet. Wir haben uns die neue IWC Portofino Perpetual Calendar IW344602 in Rotgold genauer angesehen.


IWC IWC Da Vinci Perpetual Calendar (Referenz: 3750)
IWCs erste Uhr mit ewigem Kalender: die Da Vinci Perpetual Calendar 3750

Der erste Eindruck


Ich hatte bis dato schon einige IWC Modelle mit ewigem Kalender in der Hand. Vor allem die sportliche Big Pilot Top Gun Perpetual Calendar "Mojave Desert" oder auch die elegantere Portugieser Perpetual Calendar konnte ich bereits mehrfach testen und auch längere Zeit am Handgelenk erleben. Beide Uhren sind durchaus gelungen, aber haben durch ihre übergroßen Gehäuse auch eine erhebliche Präsenz. Mit diesen Eindrücken im Kopf war ich etwas überrascht, als ich die vergleichsweise zierliche Portofino aus ihrer Transportbox holte. Das kreisrunde Gehäuse mit seinen geraden Hörnern, das so typisch für die Portofino-Kollektion ist, wirkt nahezu filigran. Hält man die Uhr in der Hand, fühlt man sich kurz in die Vergangenheit versetzt. Man kann sich förmlich vorstellen, wie in den frühen 1980er-Jahren IWC-Chefdesigner Hanno Burtscher der eleganten Taschenuhr Referenz 5250 schlanke, gerade Hörner verpasst und sie damit an ein Lederband montiert. Das Auge wandert an den Rundungen des Gehäuses entlang und begreift sofort, wieso dieses schlichte, unprätentiöse Portofino-Design damals so gut angekommen ist und auch heute, 40 Jahre später, immer noch gut funktioniert. Auch wenn das Attribut in der Uhrenwelt mittlerweile abgedroschen ist, aber auf die Portofino trifft es wirklich zu: Sie ist einfach zeitlos.


Die neue IWC Portofino Perpetual Calendar.
Bereits auf den ersten Blick besticht die IWC Portofino Perpetual Calendar durch ihre schlichte, zeitlose Eleganz.

Eigentlich bin ich ein Freund von sportlichen Uhren. Ich sehe mich selbst nicht als Person, die im Alltag eine Dresswatch trägt. Ich mag tendenziell eher breitere Hörner, funktionale Lünetten und vor allem mag ich keine römischen Indizes. Als ich die Portofino aber so in den Händen hielt, die Lichtreflexe auf dem Rotgoldgehäuse beobachtete und dazu die klaren Formen des cremeweißen Zifferblattes bestaunte, kam ich nicht umhin, die Eleganz, die diese kleine Uhr ausstrahlte, zu bewundern. Es ist erstaunlich, wie aufgeräumt die Portofino Perpetual Calendar auf den ersten Blick wirkt - und das trotz all der Komplikationen, die sich hinter dem schlichten Zifferblatt verbergen. Die goldenen Hauptzeiger für Stunde und Minute, die gebläuten Zeiger der Hilfszifferblätter und der zentralen Sekunde, die goldenen Indizes, die liebevoll gestaltete Mondphase - all das ergibt in Kombination ein doch sehr harmonisches Gesamtbild. Und auch wenn ich sportliche Uhren bevorzuge, muss ich zugeben, dass von diesem Schmuckstück ein besonderer Reiz ausgeht. Es wurde Zeit die Uhr anzulegen.


Am Handgelenk


Kurz nach Vorstellung der neuen IWC Portofino Perpetual Calendar hat IWC CEO Chris Grainger-Herr das Modell auf Instagram als den "tragbarsten ewigen Kalender" des aktuellen IWC-Katalogs bezeichnet. Ich muss sagen: Er hatte recht. Das 40 mm Gehäuse sitzt sehr gut an meinem 16,5 bis 17 cm Handgelenk. Während die Portugieser mit ewigen Kalender und erst recht die Big Pilot Top Gun Mojave Desert mit ewigem Kalender doch grenzwertig groß an meinem Arm wirkten, passt die Portofino wie angegossen. In der Seitenansicht bin ich überrascht, wie flach die Uhr aufliegt. Mit einer Höhe von lediglich 12,7 mm (trotz der Komplikation!) rutscht sie problemlos unter die Hemdmanschette. Auch das weiche Kalbslederband, das an einer Dornschließe aus 18-karätigem Rotgold ausgeliefert wird, trägt seinen Teil zum bequemen Sitz am Handgelenk bei.


die IWC Portofino Perpetual Calendar am Handgelenk
Die IWC Portofino Perpetual Calendar trägt sich angenehm am 16,5 cm Handgelenk.

Beim Tragen der Uhr über den Tag hinweg merke ich immer wieder, wie mein Blick zum hellen Zifferblatt wandert. Ein gewölbtes Saphirglas spannt sich darüber und sorgt dafür, dass das Tageslicht von allen Seiten auf das cremeweiße Blatt treffen kann. Dadurch entsteht ein warmer Look, der dem Auge schmeichelt. Es macht Freude zu sehen, wie der gebläute zentrale Sekundenzeiger darüber wandert.


Besonders gefällt mir die gute Ablesbarkeit der Anzeigen. Ewige Kalender haben gerne das Problem, dass sie aufgrund der Fülle der Informationen schlecht mit einem Blick zu erfassen sind. Zahlreiche Uhren mit Kalenderkomplikationen wirken zunächst wenig intuitiv und erschließen sich erst bei genauer Betrachtung. Bei der Portofino Perpetual Calendar ist das anders. IWC stellt alle benötigten Anzeigen auf lediglich drei Hilfszifferblättern dar. Auf 3 Uhr befindet sich der Tag, auf 6 Uhr der Monat sowie die Mondphase und auf 9 Uhr der Wochentag mit einem Zähler fürs Schaltjahr. Mehr braucht es nicht. Und durch die kontrastreich abgesetzten Zeiger können diese Informationen mit nur einem Blick erfasst werden. Respekt IWC, das habt ihr gut gemacht.


das helle Zifferblatt der IWC Portofino Perpetual Calendar
Aufgrund der gut gewählten Darstellung ist der ewige Kalender leicht und intuitiv ablesbar.

Ein wesentlicher Vorteil des Perpetual Calendar Mechanismus von Kurt Klaus ist dessen einfache Bedienung. Alle dargestellten Informationen sind so miteinander synchronisiert, dass sie sich lediglich durch Drehen der Krone verstellen lassen. Es macht Freude, das Datum initial einzustellen und zu beobachten, wie alle Anzeigen gemeinsam umspringen. Der raffinierte Mechanismus erkennt automatisch die unterschiedlichen Monatslängen und er fügt auch alle vier Jahre präzise ein Schaltjahr hinzu. Einmal korrekt eingestellt, muss das Datum der Portofino Perpetual Calendar bis zum Jahr 2100 nicht mehr nachjustiert werden - vorausgesetzt, man lässt die 60 Stunden Gangreserve des Werkes nicht auslaufen. Nach dem gregorianischen Kalender fällt im Säkularjahr 2100 (dem letzten Jahr des Jahrhunderts) das Schaltjahr aus. Mit dieser Ausnahme kann der Kalendermechanismus nicht automatisch umgehen, sodass hier eine manuelle Interaktion notwendig wird. Dennoch ist es beeindruckend, dass die Uhr jedes Datum inkl. der zugehörigen Mondphase bis zum Ende des Jahrhunderts korrekt berechnen kann.


Ein Manko hat der vollkommen synchronisierte Kalender dennoch: Kommt er einmal aus dem Tritt, lässt er sich nicht mehr ohne Eingriff eines Uhrmachers angleichen. Daher ist trotz der einfachen Bedienung Achtsamkeit geboten. Man sollte das Datum niemals zwischen 8 Uhr abends und 2 Uhr morgens einstellen. In diesem Zeitraum ist der Kalendermechanismus aktiv. Auch die Zeiger sollten niemals entgegen dem Uhrzeigersinn über 2 Uhr morgens hinweg bewegt werden. Das kann den Mechanismus beeinflussen und die Synchronisierung des Kalendariums durcheinanderbringen. Zudem lässt sich das Datum nicht zurückstellen. Wer den Kalender versehentlich über das tagesaktuelle Datum hinaus in die Zukunft verstellt, hat keine Möglichkeit, es zurückzusetzen. Damit bleibt nur die Uhr mit gezogener Krone beiseitezulegen und abzuwarten, bis das reale Datum wieder dem des ewigen Kalenders entspricht. Man sollte also wissen, was man tut, wenn man sich ans Einstellen der eleganten Portofino macht.


IWC Kaliber 82650 in der Portofino Perpetual Calendar
In der Portofino Perpetual Calendar tickt das Manufakturkaliber 82650 mit dem von Kurt Klaus erdachten ewigen Kalender.

Im Inneren der Uhr tickt das hauseigene Manufakturkaliber 82650. Erstmalig eingesetzt wurde es in der 2020 vorgestellten Portugieser Perpetual Calendar 42. Es basiert auf IWCs Dreizeiger-Kaliber 82200, welches um das Kalendermodul von Kurt Klaus erweitert wurde. Das 82650 verfügt über einen automatischen Pellaton-Aufzug und schlägt mit einer Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Herz). Durch einen Saphirglasboden lässt sich mechanische Uhrwerk bei seiner Arbeit beobachten. Ein schönes Detail ist hier die in der Schwungmasse eingelassene Goldmedaille mit dem Schriftzug «Probus Scafusia» ("Bewährtes aus Schaffhausen"). Trotz der Dekoration mit Genfer Streifen und Perlage auf Rotor, Brücken und Platine hat das Werk eher eine zweckmäßige Anmutung. Typisch für IWC liegt der Fokus hier eher auf den technischen Aspekten der Uhrmacherei als auf einer verspielten Ästhetik.


Das Fazit


Ich habe die Zeit mit der neuen IWC Portofino Perpetual Calendar wirklich genossen. Entgegen meiner Erwartungen habe ich mich regelmäßig dabei erwischt, sie trotz der eleganten bzw. "dressigen" Optik als meine Uhr für den Tag zu wählen. Für jemanden, der primär sportliche Uhren bevorzugt, war das durchaus überraschend. Die schlichte und zeitlose Ästhetik gepaart mit der Faszination für die legendäre Komplikation hat einen ganz besonderen Reiz auf mich ausgeübt, den ich im Vorfeld so nicht erwartet hätte. Spannend war dabei auch, dass die Uhr niemals "zu viel" war. Mit goldenen Uhren ist das immer ein schmaler Grat. Sie können schnell zu laut und aufdringlich wirken. Das ist bei der Portofino Perpetual Calendar jedoch zur keiner Zeit der Fall. Gerade durch die kompakte Größe rutscht sie gerne unter die Hemdmanschette oder den Jackenärmel. Eher dezent und stilvoll als laut und markant ergänzt sie das Outfit ihres Trägers. Das hat mir sehr gut gefallen. Wer in den Genuss dieses "Portofino-Feelings" kommen möchte, muss entweder die 35.100 EUR berappen, die IWC für das Modell aufruft oder auf die rund 10.000 EUR günstigere Edelstahlvariante zurückgreifen. Alternativ bietet die Portofino-Kollektion noch zahlreiche, vergleichsweise erschwinglichere Modelle - dann aber ohne ewigen Kalender. Bei aller Begeisterung für die Mechanik sowie deren einfache Bedienung bildet dieser, aber auch die größte Schwachstelle, der ingesamt sehr stimmigen Portofino Perpetual Calendar. Wer unachtsam die Zeiger im falschen Zeitraum zurückstellt, hebelt die Synchronisierung aus. Das Ergebnis: Das Datum wird nicht mehr korrekt dargestellt und kann nur durch Eingreifen eines IWC-Uhrmachers wieder gerichtet werden. Ich hatte bereits Pressemodelle (die naturgemäß gerne mal unachtsam behandelt werden) in der Hand, bei denen dies der Fall war. Wer allerdings sorgsam mit seiner Portofino Perpetual Calendar umgeht, kann quasi "ewig" Freunde an ihr haben.



Vorteile:
  • Einfaches Einstellen des Kalendariums

  • Gute Tragbarkeit durch kompakte Proportionen

  • Leichte Ablesbarkeit der Anzeigen durch aufgeräumtes, zeitloses Design


Nachteile:
  • Gefahr der Desynchronisierung des Uhrwerks bei unachtsamer Bedienung

  • Dekoration des Uhrwerks nicht auf Haute Horlogerie Niveau


Technische Daten: IWC Portofino Perpetual Calendar

Gehäuse

40 mm Gehäuse aus 18-karätigem Rotgold; 12,7 mm Höhe; 50 m wasserdicht

Zifferblatt

weißes Zifferblatt

Uhrwerk

Manufakturkaliber 82650 mit automatischem Pellaton Aufzug; ewiger Kalender mit Anzeige von Datum, Wochentag, Monat, Schaltjahr und ewiger Mondphase; 326 Komponenten; 60 Std. Gangreserve; 28.800 Halbschwingungen (4 Herz)

​Armband

blaues Kalbslederband mit Dornschließe aus 18 kt. Rotgold

Referenz

IW344602

Verfügbarkeit

ab sofort

Preis

35.100 EUR


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